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DIETER HACKER – DER RECHTE WINKEL IN MIR

 
Ausstellungsdauer: 30.11.2007 – 27.01.2008
Ausstellungsort: Museum für Konkrete Kunst
Eröffnung: Donnerstag, 29. November 2007, 19 Uhr

Das Museum für Konkrete Kunst zeigte vom 30. November 2007 bis 27. Januar 2008 die Ausstellung „Dieter Hacker – Der rechte Winkel in mir“, eine umfassende Retrospektive des bedeutenden Werkes von Dieter Hacker (*1942 in Augsburg). Hacker studierte von 1960-65 an der Kunstakademie München in der legendären Klasse von Ernst Geitlinger, u.a. mit Gerhard von Graevenitz und Klaus Staudt. Sein Schaffen lässt sich in drei sehr unterschiedliche Phasen einteilen: Ab 1961 entwickelte Dieter Hacker interaktive Spielobjekte, mit denen er an den Ausstellungen der Neuen Tendenzen in Zagreb, Paris und Venedig teilnahm. Nach einer radikalen Kehrtwende schuf er in den siebziger Jahren verstärkt politische und sozialkritische Installationen, die er vor allem in seiner Berliner Produzentengalerie zeigte. Internationalen Ruhm erlangte er mit seinen ironisch-kritischen Gemälden, mit denen er Anfang der achtziger Jahre zu einem der Protagonisten der neuen gegenständlichen Malerei wurde, die einen ungeahnten Boom am internationalen Kunstmarkt erlebte. In Ingolstadt wurde Dieter Hackers außergewöhnliches, provokatives, ironisches und anspruchsvolles Werk erstmals umfangreich präsentiert. Dabei wurde insbesondere seine über alle Brüche fortlaufende Auseinandersetzung mit der konstruktiven Kunst herausgestellt.
Die Neuen Tendenzen, die 2006 im Museum für Konkrete Kunst in einer großen Schau gewürdigt wurden, waren in den sechziger Jahren die wichtigste internationale Künstlerbewegung für die noch junge Op Art sowie die kinetische und interaktive Kunst. Hacker zeigte damals Spielobjekte, die die Wahrnehmung untersuchten und den Betrachter zum aktiven Teilnehmer der Kunst machten. Sein „Essbild“ (1965) etwa, das in Ingolstadt zu sehen war, besteht aus einem Tisch, der mit Bonbons belegt ist, die neu sortiert oder einfach aufgegessen werden können. Dadurch werden starre Gewohnheiten aufgebrochen und der Betrachter wird auf spielerische Weise mit gesellschaftlichen Fragen konfrontiert.
Mit den politischen Arbeiten und insbesondere seit 1971 mit seinem Konzept der vom Künstler geführten Produzentengalerie vollzog Hacker eine radikale Abkehr vom Kunstmarkt. Seine selbstgestalteten Ausstellungen thematisieren beispielsweise die gesellschaftliche Relevanz von Kunst, die Rolle des Fotos im Alltagsleben, den Kunstmarkt oder die Utopien des Konstruktivismus. Zwei dieser aus Tafeln, Zeichnungen, Installationen oder Fotosammlungen bestehenden Ausstellungen wurden in Ingolstadt gezeigt: „Dumme Bilder“ (1978) setzt sich explizit mit populären Beispielen aus der Kunst des 20. Jahrhunderts auseinander, die Hacker kritisch und provokativ befragt. „Good morning Mr. President“ (1982) zeigt Zeichnungen, die ironisch mit der künstlerischen Passion des ehemaligen Schauspielers und US-Präsidenten Ronald Reagan spielen.
Anfang der achtziger Jahre begann Hackers internationale Karriere als Maler. In der Aufbruchszeit der sogenannten „Neuen Wilden“ nahm Hacker u.a. an den bahnbrechenden Ausstellungen „A new spirit in painting“ (Royal Academy of Arts, London, 1981) sowie „Zeitgeist“ (Martin Gropius-Bau, Berlin, 1982) teil. Einige seiner Bilder thematisieren explizit das Erbe der konstruktiven und Konkreten Kunst. So werden etwa in „Gefühl und Geometrie“ (1987) mit dem Akt und der ungegenständlichen Kunst zwei grundsätzlich verschiedene Gestaltungsformen gegenübergestellt. Oder es wird mit einem respektlosen Seitenblick auf den oft formulierten Absolutheitsanspruch einiger Konkreter Künstler die Behauptung aufgestellt „Jede Farbe passt zu jeder anderen“ (1994).
Über mehr als vier Jahrzehnte hat sich Hacker in sehr unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen immer wieder mit den Utopien, Ansprüchen und Erfolgen des Konstruktivismus beschäftigt, aber eben auch mit dessen Grenzen und den Gefahren, die in einer Formalisierung seiner Gestaltungsmittel liegen. Dieser rote Faden, der Hackers Werk durchzieht, leitete den Besucher durch die Ingolstädter Ausstellung. Dabei konnte er die aufregende Vielfalt von Hackers Schaffen sowie dessen Lust an Ironie und Provokation eindrucksvoll erleben.

Begleitend zur Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen im Kerber Verlag.

Category: AUSSTELLUNGEN

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